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Gibt es Ausnahmen von der Empfehlung und warum?

Tanja Romanazzi (Offenstallkonzepte): Ja, es gibt für mich Ausnahmen.
1. Pferde, die aus einer „eingedeckten Boxenhaltung“ kommen und nicht lange genug Gelegenheit hatten, sich auf die normale Witterung einzustellen. Diese Pferde muss man manchmal im ersten Winter mit einer Decke unterstützen.
2. Ältere Pferde, deren Stoffwechsel nicht mehr optimal läuft und deren Wärmeproduktion daher nicht mehr ausreicht.
3. Pferde mit Vorschäden im Bereich der Wirbelsäule. Diese Pferde haben manchmal sichtbare Schmerzen, wenn der Rücken zu stark auskühlt bzw. nicht entspannt genug gehalten wird.
4. Herden mit sehr gemischten Pferdetypen, in denen die Robusten den Ton angeben und die Empfindlicheren die „Mitläufer“ sind. Hier kann es passieren, dass die Robusten nicht in den Unterstand gehen (sie haben es nicht nötig) und die Empfindlichen nur wegen des „Herdenzwanges“ draußen bleiben. Auch hier kann es mal nötig sein, mit einer Decke zu unterstützen.


Christine Garbers (VFD): Immer dann, wenn die optimalen Bedingungen nicht gegeben sind, sollte über das – evtl. auch nur vorübergehende – Eindecken nachgedacht werden. Dazu gehören insbesondere extrem widrige Wetterbedingungen, denen das Pferd nicht ausweichen kann. Starkregen und scharfer Wind über mehrere Tage kann unter Umständen selbst die dickste Isolierschicht durchdringen. Frierende Pferde sind sofort einzudecken, gar keine Frage. Wenn das Pferd eingedeckt wird, muss andererseits aber auch penibel darauf geachtet werden, dass es unter der Decke nicht schwitzt. Das kann schon passieren, sobald die Sonne nur ein paar Minuten scheint. Also: die Pferde gut im Auge behalten!

 

KCfinal

Das Pferd ist nicht in der Lage, partielle Körperpartien zu wärmen. Durch das Eindecken bleiben Hals, Kopf und Gliedmaßen häufig frei, hier besteht die Gefahr, dass diese Körperstellen unterkühlen oder der Körper unter der Decke überhitzt.

Katharina Claudi (LAG e.V.)

 

Dr. Katja Roscher (Justus-Liebig-Universität Gießen): Eine generelle Empfehlung gibt es, wie erwähnt, nicht.
 

Katharina Claudi (LAG e.V.): Wie schon in der vorherigen Frage gesagt, kann das zeitweise eine Unterstützung von alten oder kranken Pferden sein – wenn keine anderen Möglichkeiten vorhanden sind. Eine weitere Ausnahme (kommt jedoch selten vor) wäre zum Beispiel ein rangniederes, hochblütiges Pferd in einer Herde von robusten Rassen. Hier könnte es möglich sein, dass dieses Pferd bei extremer Witterung (nass und kalt) den Unterstand nicht aufsucht, weil die übrige Herde es auch nicht tut. Es würde lieber frierend mit den anderen draußen stehen, als alleine den Unterstand aufzusuchen. In diesem Fall kann das Eindecken des hochblütigen, rangniederen Pferdes notwendig sein. Ähnlich sieht es bei Pferden aus, die erst spät im Jahr in eine Gruppen- oder Offenstallhaltung gekommen sind. Hier könnte es im ersten Winter bei extremer Witterung notwendig sein, einzudecken bis sich der Stoffwechsel angepasst hat und das Winterfell ausreichend gebildet ist.

 

Pferdedecken
Um sich zum Beispiel vor Wind und Regen zu schützen, müssen die Pferde die Möglichkeit haben, sich unterzustellen.

 

Dr. Barbara Rauch (KPA): Decken können sinnvoll sein für kranke Pferde, für Hochleistungspferde und für weitere besondere Situationen. Wenn ich in unserer Anlage sehe, dass 80 % aller Pferde eingedeckt sind, obwohl ihre Besitzer sich für ein artgerechtes Haltungssystem entschieden haben, finde ich es nicht konsequent. Es handelt sich in der Mehrzahl nicht um Turnierreiter und um Pferde aller Rassen, auch viele Robustrassen.
 

Dr. Judith Winter (Freie Universität Berlin): Es gibt bestimmte Rassen, wie Englische oder Arabische Vollblüter, die eventuell kein ausreichendes Winterfell entwickeln werden. Hier sollten die Besitzer ihre Pferde gut beobachten und im Einzelfall entscheiden. Weitere Ausnahmen sind kranke Pferde, die Fieber oder Kolik haben. Bei uns in der Klinik bekommen zum Beispiel alle Pferde für die ersten Stunden nach einer OP eine Decke, da der Kreislauf noch etwas langsam ist. Sportpferde, die täglich gearbeitet werden, schwitzen mit dickem Winterfell natürlich sehr lange nach. Um das zu vermeiden, spricht aus tierärztlicher Sicht nichts gegen eine atmungsaktive und gut passende Decke.

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