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Kunstrasen ist bei Stallbetreibern eine oft angedachte Bodenbefestigung. Eine Studie hat jetzt jedoch herausgefunden, dass Kunstrasen eine der Hauptquellen für Mikroplastik ist, das von dort in die Umwelt gelangt. Nun beunruhigt ein Gerücht über ein mögliches Kunstrasen-Verbot nicht nur Sportvereine, sondern auch Pferdehalter. Country-Reiten.de hat nachgefragt.

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts gelten (Kunstrasen-) Sportplätze als eine der größten Quellen für Mikroplastik in Deutschland. Bis zu 11.000 Tonnen Mikroplastik sollen pro Jahr davon in die Umwelt gelangen. In der vergangenen Wochen und Monaten machte nun ein mögliches Verbot von Kunstrasen die Runde durch Medien und soziale Netzwerke. Da Kunstrasen gerne im Pferdebereich genutzt wird, ob neu oder als gebrauchte Ware, die oft von Sportplätzen stammt, wären auch Pferdehalter möglicherweise davon betroffen.
 

Kein Verbot, aber …

Christoph Reinberger von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) erklärte Ende Juli 2019 in einem Statement: „Wir möchten klarstellen, dass weder die ECHA noch die Europäische Kommission ein Verbot von Kunstrasenplätzen plant. Richtig ist, dass die ECHA und die Kommission im Rahmen der Europäischen Kunststoffstrategie prüfen, wie der Austrag von umweltschädlichem Mikroplastik in unsere Umwelt verringert werden kann.“
Er weist darauf hin, dass ein mögliches Verbot von bestimmten Granulaten für existierende Plätze nicht sofort eine Auswirkung hätte. „Der Spielbetrieb auf den betroffenen Plätzen könnte fortbestehen. Allerdings wäre deren Unterhalt vom Verbotsvorschlag betroffen, wenn die Bestände von bisherigem Füllmaterial aufgebraucht wären“, ergänzt er.
Die wissenschaftlichen Ausschüssen der ECHA überprüfen nun ebenfalls, welche Übergangsfristen für den Unterhalt geeignet sein könnten. Sollte sich noch eine technische Lösung finden, die den Granulataustrag verhindert, könnte man laut ECHA auch ganz von einem Verbot absehen. Die Konsultationen dazu laufen noch bis zum 20.9.2019 und erst danach wird man genauer sagen können, welche Auswirkungen sich auch für Pferdehalter ergeben könnten.
Der genaue Zeitrahmen, innerhalb dessen sich mögliche zukünftige Verbote ergeben könnten, ist noch unklar, denn was immer auch die ECHA empfiehlt, die Europäische Kommission müsste das Thema auf ihre Agenda setzen und in einen Gesetzesentwurf umwandeln. Dieser wiederum muss danach noch das Europäische Parlament durchlaufen.

 

Bundesinnenministerium gibt Entwarnung

Wir haben im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat nachgefragt, ob es ein Kunstrasenverbot für Pferdebetriebe geben wird. Ministeriums-Sprecher Björn Grünewälder sagte uns: „Ein Verbot von Kunststoffrasensystemen ist derzeit weder für den Reitsport noch für andere sportliche Nutzungen geplant. Ich verweise zu dieser Thematik auch auf die Mitteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland zur Thematik Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen sowie auf Informationen des Bundesumweltministeriums zu Kunstrasenplätzen und Mikroplastik.“
Auf der sicheren Seite wird man auf jeden Fall laut Björn Grünewälder sein, wenn man Kunstrasen mit natürlichen Füllstoffen wie Sand, Kork-Sand-Gemisch oder ähnlichen Lösungen verfüllt. „Diese Füllungen wären von einem Beschränkungsvorschlag nicht betroffen“, merkt er an und ergänzt: „Bereits im Gebrauch befindliches Kunststoffgranulat fällt nicht unter das vorgeschlagene Verbot.“
 

Was man jetzt tun kann

Auch wenn ein Verbot von Kunstrasen aktuell noch nicht konkret zu werden scheint, so kann man als Pferdehalter und Stallbetreiber durchaus jetzt schon aktiv werden, um Umwelt und die Pferde zu schonen. Ein kompletter Austausch einer Granulatfüllung dürfte zwar für die Meisten aus Kostengründen nicht infrage kommen, aber beim Nachfüllen von Material kann schon jetzt auf umweltfreundlichere Stoffe zurückgegriffen werden.
Für Projekte, die noch in Planung sind, sollte man generell darüber nachdenken, ob es nicht bessere Alternativen gibt, als Kunstrasen. Mit Paddock-Platten lassen sich Flächen sehr einfach und gut befestigen und sie bieten – im Gegensatz zu Kunstrasen – auch die Fähigkeit, auf nicht sehr tragfähigen Böden sicheren Halt zu finden. Kunstrasen kommt hier bauartbedingt schnell an seine Leistungsgrenzen.
Allerdings sind auch Paddock-Platten fast immer aus (Recycling-) Kunststoff produziert und es bleibt abzuwarten, welcher Eintrag in die Umwelt von ihnen ausgeht. Durch deren stabilere Bauweise ist aber auf jeden Fall weniger Abrieb und Eintrag zu erwarten, als bei Kunstrasen. Eine bessere Möglichkeit sind Naturmaterialien, die aus Umweltsicht völlig unbedenklich sind.
Generell problematisch ist das Thema Entsorgung, denn Kunstrasen wird oft als Sondermüll angesehen, was zu hohen Kosten führt, wenn der Kunstrasen ans Ende seiner Nutzungsdauer kommt. Das trifft zwar ggf. auch auf Paddock-Platten zu, aber die halten in aller Regel deutlich länger. Nicht ohne Grund wird Kunstrasen so gerne gebraucht verkauft, denn Firmen, die Kunstrasen auf Sportstätten ausbauen können damit beim Ausbau Geld verdienen und erneut beim Gebrauchtverkauf. Zudem sparen sie sich die Entsorgungskosten.
Wer Kunstrasen verbauen möchte, sollte schon jetzt darauf achten, Kunstrasen ohne Granulat zu nehmen und diesen mit passenden Materialien zu verfüllen.

Niemand kann sagen, wie sich die Gesetzeslage in den nächsten Jahren entwickeln wird, aber es ist zu erwarten, dass die Rahmenbedingungen eher straffer werden. Insofern lohnt es sich schon jetzt, nach Lösungen zu suchen, die langfristig und rechtssicher funktionieren. Unabhängig von der Rechtslage dankt es die Umwelt schon jetzt!

 

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