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{jcomments on}Gerd Heuschmann ist Pferdewirt, Tierarzt und erfolgreicher Buchautor. Sein Bestseller „Finger in die Wunde“ sorgte 2006 für ein Aufhorchen in der Szene. Unermüdlich ist er als Referent für das Wohl der Pferde im Einsatz. Wir haben ihn um eine Einschätzung des CHIO 2018 gebeten.

„Der CHIO ist nur eines von vielen Turnieren, bei dem auch unschöne Bilder zu sehen sind“, sagt er und fährt fort: „Für mich ist der Umgang mit Pferden eher eine Grundsatzfrage und wenn ich die Reitszene als Gesamtheit betrachte, kann ich eine positive Entwicklung erkennen. Nur der Turniersport hinkt dieser Entwicklung hinterher, die Basis ist da schon viel weiter.“
Er spricht über die Anstrengungen seitens FEI, das Abreiten besser zu kontrollieren, sieht den CHIO aber als Beleg dafür, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind. „Beim Abreiten wird auch für den Laien sichtbar, was in der Prüfung oft nicht zu sehen ist. Losgelassenheit als Begriff ist zur Farce geworden, gefragt sind vielmehr unterwürfige Pferde, die alles machen, was man will. Das ist für mich ein falsch verstandener Begriff von  Ausdruck. Ausdruck kann ich im Grunde nur mit einem geschmeidigen Rücken und Schwung aus der Hinterhand erzielen, aber offensichtlich meinen einige Reiter, dass dies auch mit einem festen Rücken gehen muss. In der klassischen Reitlehre kommt die ausdrucksstarke Schwingung im Trab und Galopp aus einem geschmeidigen Rücken und einem nachgiebigen Hinterbein. Dafür sind Losgelassenheit und Durchlässigkeit unerlässlich, damit sich das entwickeln kann. Ein solcher Athlet wird seinen Körper auch nicht verschleißen, wie es bei diversen sehr prominenten Beispielen in jüngerer Vergangenheit zu beobachten war. “

Lernen bei den alten Meistern
Für das richtige Reiten empfiehlt Gerd Heuschmann, sich bei den alten Lehrmeistern zu orientieren: „Vor einem festen Rücken wird dort immer gewarnt, weil man schon früher wusste, dass dies auf Kosten der Pferdegesundheit geht. Das zeigen ja auch verschiedene prominente Beispiele. Zudem konnte die Hochschule Hannover beweisen, dass dies die Ursache für Gesundheitsprobleme ist. Ich kann mich nur wiederholen, aber die alten Meister haben die richtigen Antworten. Ich frage mich, warum die FN die Lehren, die sie in Buchform vermittelt, nicht auch in absoluter Konsequenz auch bei Turnieren durchsetzt. Es wird immer nur geredet und viel zu wenig getan.“

Pauschalierungen helfen niemandem weiter
Gerd Heuschmann ist sehr wohl bewusst, dass die Verantwortung, die jeder Reiter für sein Pferd hat, leicht in Bedrängnis geraten kann, wenn es um Wettkampf, die Aussicht auf einen Gewinn und die Ehre geht. „Jeder möchte sich und sein Pferd optimal präsentieren und dabei schießen viele leider über das Ziel hinaus. Ich plädiere jedoch klar dafür, solche Vorgänge und alle Reiter nicht pauschal zu verurteilen, denn pauschale Urteile sind in den meisten Fällen falsch. Das musste ich selber auch lernen und bin dafür zu recht kritisiert worden. Auch eine pauschale Richter-Schelte bringt niemanden weiter, denn ein Richter ist nur so gut, wie die Regeln, an die er sich hält. Solange der deutsche oder amerikanische Verband oder die FEI diese Regeln nicht endlich ändern, so lange werden wir immer wieder nur Lippenbekenntnissen hören und beobachten können, wie Verantwortliche lavieren, um den Tatsachen nicht ins Auge blicken zu müssen.“

 

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Es fehlt am Willen und die Zeit wird knapp
Ein unerlässlicher Schritt zur Verbesserung der Situation der Pferde wäre für Gerd Heuschmann, wenn nur noch tatsächlich losgelassene Pferde bei Turnieren gewinnen könnten. „Damit würde ein klares Zeichen gesetzt, dass diese Formen der Reiterei, die es in Aachen zu sehen gab, keine Chance mehr hat. Aber der politische Wille bei FN ist hier nicht eindeutig und stark genug. Ich habe bei deren Bemühungen immer das Gefühl, als wolle man nur ein bisschen schwanger sein, aber das geht nun mal nicht. Stattdessen soll das bestehende System nicht angerührt werden, dabei wäre es gerade jetzt an der Zeit, dass die FN klar Stellung bezieht und ein Datum bestimmt, ab dem die Dinge nur noch fair und richtig gemacht werden. Das muss alles wieder ins Lot kommen. Die Gesellschaft toleriert immer weniger, dass Tiere derartig schlecht behandelt werden. Die Zeit ist reif. Wenn die FN weiter zögert, wird irgendwann ein Tierschutzbeauftragter aktiv werden.“

Geld regiert die Welt
Gerd Heuschmann ist sich aber auch klar darüber, dass immer dann, wenn es um Leistungssport und die Lust am Gewinnen geht, wenn wirtschaftliche Aspekte dazu kommen, Menschen Mittel und Wege wählen werden, die falsch sind. „Das müssen wir alle wieder lernen, ich selber habe auch immer Fehler gemacht und wir müssen alle lernen, uns entwickeln und weiterkommen. Leider erkenne ich einfach bei den Verbänden keinen Willen zur Veränderung, da scheint der Leidensdruck offenbar noch nicht hoch genug zu sein und die Leute wollen ihre Pfründe nicht aufgeben. Aber es wird geschehen, ob das nun aus den Verbänden selber erfolgt oder von außen. Ich persönlich würde mir sehr wünschen, dass diese dringend nötigen Veränderungen von der FN ausgehen, denn dann können wir unseren wundervollen Sport (Reitkunst) selber gestalten. Das ist etwas, was alle Disziplinen betrifft. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie ein solcher Veränderungsprozess ausgehen würde, wenn beispielsweise Hardcore-Tierschützer das Zepter in der Hand hätten. Und deswegen geht uns das letztlich alle etwas an, auch die Freizeitreiter oder Westernreiter oder andere Disziplinen. Leider gibt es in allen Bereichen gutes und schlechtes Reiten, das den Pferden nicht gut tut oder sie sogar schädigt. Wann wachen unsere Verantwortlichen endlich auf und setzen mutige Veränderungen im Sinne unserer Pferde durch!?“


www.gerdheuschmann.de

 

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